Luminiszenz.

Luminiszenz.

À propos Luminiszenz. Ich hatte neulich einen Traum. Es ging dabei um Tiefe. Einen Schatz. Eine von Helligkeit durchflutetet Halle aus Gestein.
Aber, übereifriges Leserlein, darum soll es primär gar nicht gehen. Vielmehr will ich ein wenig auf das Entstehen dieses, in mir entstandenen, Feuerwerks, eingehen. Und dazu: Ich habe ein Feuerwerk erschaffen. Vielmehr noch: Ich habe einem Traum das Leben geschenkt. Eine für alle anderen, außer mir, unscharf wirkende Suche nach Wundern und Geheimnissen. Geheimnisse, die sich selbst mir nur im inaktiven Nachdenken eröffnen.


Ich habe also diesen Wald aus Spiegeleien, das nächtliche Wunschillusorium und appetitanregende Triebgebilde im Schlaf zum Leben erwachen lassen. Am Abend zuvor hatte ich mich in Jules Verne festgelesen. Meine Gedanken nahmen die Worte, Silben und selbst Leerschläge hin und betteten sie sorgsam auf das samtige Funkeln der bereits aufgehäuften Wünsche und Lebensreliquien. Dort ruhten sie sich vorerst aus und lösten, im heimlich Stillen, eine Lawine an Reaktionen aus und vermehrten das samtige Funkeln.


Derselbe Tag brachte auch ein Telefonat mit meiner Mutter. Sie berichtete und fragte manches. Sie meinte und erahnte. Berichtete vom Früher und ich fragt nach Was und Warum sowie Wie und deshalb. Das Erhaltene versprühte sein ganz eigenes Leben und gesellte sich flink zum ohnehin freudig grinsenden Funkeln.
Morgens, es ist immer noch jener Tag, hatte ich mich auf der Couch über Folgendes ausgelassen: Die Beziehungen, die ich bisweilen mit Frauen führte, waren zumeist von Angst durchflutet. Angst, ein anderer Herr, eine dritte Person, könnte mich nur zu leicht ersetzen. Durch einen ganz simplen „Fehler“, den ich vermeintlich begehe, könnte das geschehen. So werde ich vom gepaarten Teil zum grambesessenen Außenstehenden. Verdrängt von einer schattierten Bedrängnis.
Bin Ich doch aber in Wirklichkeit jene geheimnisumspülte, dritte Person. Ich selbst beobachte meine Beziehung von außen, setze mir die Bedrängnis ins Gewissen und die Seele. Ziehe sie hoch, wie ein bedürftiges Pflänzchen und nähre sie sorgsam.
Jeden Tag wuchs sie heran und ließ mich nicht mehr aus den Augen. Einmal groß genug, und um Renitenz nicht verlegen, wechselten wir endgültig die Positionen – die Furcht durchzog mich vollkommen. Ich wurde zum Beobachter, alleine, murrend. Ich observierte nur noch und fraß Wut und Sorge in mich rein, um für einen furchterfüllten Winterschlaf bestens gewappnet zu sein.

Neulich träumte ich also.
Von einer Tiefe. Einem Schatz und einer von Helligkeit durchfluteten Halle aus Gestein.
Jene Bedrängnis ist nun zwar gewichen. Bin nicht mehr von Ersetzungsangst zerfressen. Vorbei die Furcht und der Winterschlaf.

Jetzt stehe ich dafür sicher und distanziert hinter der Kamera.

Lost and Found – Das Buch

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