Schattenplätzchen I

Schattenplätzchen I

War der Trenchcoat die richtige Entscheidung? Damit wirke ich doch wie ein Agent und das für das erste Date? Aber zumindest habe ich meinen Glücksbringer in der Tasche. Soll ich mich auf die Stange setzen oder stehen bleiben? Hm, so hab ich natürlich das ganze Gesicht im Schatten. Ich könnte auch etwas nach rechts, aber dann sehe ich nicht, wann sie um die Ecke biegt. Warum ist der Schatten denn überhaupt hier? Also würde er mich mit Absicht nerven wollen und sich über mich lustig machen. Schrecklich, 32° und ich trage einen Ganzkörpermantel. Sehr clever und das alles nur, weil ich damit angeblich schlanker wirke – klar. Hallo Vera, ich bin Ben. Oh, schön dich kennenzulernen Ben, ist dir nicht viel zu warm bei 32° in einem Trenchcoat? Aber.. ohje, heißt sie Vera oder war es Verena? Denk nach, denk nach! Nein, Vera, ganz sicher. Falls doch nicht, werfe ich einfach meinen Trenchcoat auf sie und renn weg, damit hat sie dann erstmal zu kämpfen. Dieser Schatten. Ein nerviger Geselle. Hallo Vera, ich bin Ben. Darf ich dir vielleicht auch noch meinen Hut vorstellen, weil bei 32° weiß man ja nie ob man ihn braucht. Dumme Idee, ganz ganz dumme Idee. Tuscheln die Büsche hinter mir untereinander? Herrje, die Hitze macht mich wahnsinnig. Aber ich kann doch den Trenchcoat jetzt nicht die ganze Zeit tragen, da muss ich jetzt durch. Hi Vera. Tolle siehst du aus und so luftig gekleidet, ganz ganz tolle Idee das mit dem Sommerkleid. Hab ich denn meinen Glücksbringer noch bei mir? Ich.. ich.. ahja, hier. Sie müsste doch jetzt dann demnächst kommen. Ist doch sicherlich Zeit. Und eigentlich wäre eine Toilette jetzt ziemlich sinnvoll, weil ich seit dem Frühstück nicht mehr war. Sehr clever, dafür 30 min. überlegt ob ich nur mit Hemd oder Trenchcoat rausgehe. Gut investierte 30 min. Hey Vera, stört es dich wenn ich in die Büsche pinkeln würde? Ja? Ohh dieser Schatten. Kann ich es irgendwie schaffen ihn mir aus dem Gesicht zu reiben, damit nur mein Gesicht mit Sonne bestrahlt wird und ich ihr in einer heroischen Pose entgegentrete? Hm, klappt wohl eher nicht. Vielleicht hätte ich mal bis zum Winter warten und mich dann mit ihr dann treffen sollen. Du Vera, wäre es okay für dich, wenn wir uns in fünf Monaten treffen würden? Da passt mir die Temperatur besser, weil ich offensichtlich meine Garderobe überhaupt nicht im Griff habe. Wobei, im Winter ist es hier oben ja gesperrt. Sicher angenehm ruhig dann. Und alles liegt einfach so da, ohne gestört zu werden. Und jetzt Ruhe, sie kommt. Hände aus der Tasche und zumindest von außen her einen sicheren Eindruck machen. „Hey Vera.. ich bin Ben“. „Hi Ben, ich bin Verena.“

Im Sommer 1929

Im Sommer 1929

De liber ation

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